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Der Kopf denkt, der Bauch lenktAls Kind habe ich mir – ein Hoch auf die analogen 80er – mein jeweiliges Lieblingslied immer eine ganze Kassettenseite (45 min.!) lang aufgenommen: rund 15mal das gleiche Lied, zurückspulen, nochmal anhören. Endlos. Fand ich super. Weil ich nicht genug davon bekommen konnte. „99 Luftballons“ in meiner privaten heavy rotation – ein Traum. Kennst Du vielleicht

 

Als Erwachsener findet man sich hin und wieder auch in einer Endlosschleife wieder, allerdings ist das nicht mehr ganz so super. Kennst du vielleicht auch: Ein Thema, eine Situation, eine Verhaltensweise von Dir – beruflich, privat – ärgert dich. Du denkst darüber nach. Du analysierst, warum diese Sache für Dich ein Problem ist, was das über Dich als Mensch aussagt. Du überlegst, wie „man“ es lösen sollte. Du diskutierst mit Freunden, mit deinem Partner, vielleicht auch mit guten Kollegen, wie sie das Problem lösen würden. Du liest in Internetforen, dass viele Betroffene ein ähnliches Problem haben; du liest, was das ihrer Meinung nach über sie als Mensch aussagt, und was andere in diesem Forum denken, was sie für Menschen sind und wie sie ihr Problem lösen sollten.

 

Damit hast Du das Problem fein filetiert, Rückschlüsse über die eigene Persönlichkeit gezogen, und vermutlich auch ein paar „vernünftige“ Lösungen gefunden. Blöd nur, dass die vernünftige Lösung nicht greift – weil Du sie nicht umsetzen kannst.

 

Nur ein Beispiel, das ich mit einer langjährigen Freundin oft diskutiert habe: Sie wurde von einer Bekannten regelmäßig als emotionale Abladestation genutzt. Hat sie gestört, konnte sie ihr aber nie sagen – weil sie nicht riskieren wollte, von der Bekannten danach nicht mehr gemocht zu werden. Natürlich hat meine Freundin gewusst, dass gemocht werden nicht alles ist. Dass man Kante zeigen muss. Dass einen die Leute dann viel mehr schätzen, usw. usw. Sie hat’s aber trotzdem gelassen. Stattdessen haben wir das Thema weitere gefühlt 1.000 Mal über einer Tasse Tee diskutiert, das Gleiche lief mit einem guten Kumpel und ihrer Mutter. Am Ende ist sie sich ganz grandios selbst auf den Geist gegangen, weil sie nicht aus ihrer privaten heavy rotation „analysieren, kapieren, weitermachen wie bisher“ rauskam.

 

Was war das Problem? Ein Klassiker der Menschheit. Ich nenne das Ganze gern „Kopf denkt, Bauch lenkt“. Sprich: Man weiß im Kopf schon sehr genau, was das Problem ist, und auch, wie man es lösen könnte – aber die echte Überzeugung, das gute Gefühl im Bauch fehlt. Deshalb lässt man dann halt doch alles so, wie es ist. Nun bin ich nicht die erste, die dieses Schema erkannt hat: Schon Thomas von Aquin schrieb einst: Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war. Aber auch hier gilt: Mehr als die Problembeschreibung bieten wenige. In der Praxis werden weiterhin entweder Kopf oder Bauch angesprochen. Jeden Monat kommt ein neuer Fragebogen auf den Markt, der eine noch genauere Persönlichkeitsanalyse inklusive zugehöriger Handlungsstrategien verspricht; die Anzahl der „Besser leben/arbeiten/Konflikte lösen mit der XY-Methode“- Seminare wächst täglich. Alternativ kann man sich in der – keine Polemik – esoterisch angehauchten Ecke von Mindset-Gurus erklären lassen, wie man sich über Spiritualität, Atemtechnik, Steine uvm. in Einklang mit seinem Bauch bringen kann. Verstehen Sie mich nicht falsch: All das hat seine Berechtigung. Es hilft auch manch einem. (Und der Autorin auf jeden Fall.)

 

Es gibt, so meine Beobachtung, aber immer noch viele Menschen, denen diese Angebote nicht weiterhelfen. Am Rande meiner Seminare habe ich unzählige Male gehört, dass jemand feststeckt. Dass sie/er ihr/sein Problem sehr genau kennt und es zügig lösen will. Ohne monatelangen Psychotalk, ohne Chakrenmassage etc. Es aber nicht kann, weil Kopf und Bauch nicht kooperieren.

 

Diesen Menschen möchte ich helfen, aus ihrer persönlichen heavy rotation herauszukommen. Die Kassette mit einem neuen Lieblingslied zu bespielen, Kopf und Bauch zusammenzubringen. Jetzt denkst Du Dir vielleicht: Klingt ja alles ganz gut soweit. Aber wo ist die Lösung? Wie überzeuge ich denn nun meinen Bauch? Dazu demnächst mehr an dieser Stelle. Heute würde ich gern noch eine Frage an Dich stellen:

 

Welches ist Deine persönliche Endlosschleife? Was raubt Dir aktuell den letzten Nerv? Was würdest Du gerne schaffen?  Ich freue mich auf Deinen Beitrag!

 

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